Braunau - Broumov


  1. Geschichte
  2. Lage
  3. Bevölkerung
  4. Braunau als Verwaltungszentrum
  5. Braunau als Mittelpunkt der kirchlichen Verwaltung
  6. Kulturelle Einrichtungen
  7. Gemeinnützige- und Wohlfahrtseinrichtungen
  8. Kunst- und Kulturdenkmäler
  9. Braunau - wirtschaftliches Zentrum



1. Geschichte

Die Stadt ist um 1250 planmäßig als mit einem mächtigen Viereck als Markt- oder Ringplatz angelegt worden, von dem dann an den vier Ecken je ein Straßenpaar ausgeht, das sich jeweils am Ober- und Niedertor trifft. Von vornherein ist damit gerechnet worden, dass von ihren Bewohnern Gewerbe und Handel gepflegt wird, da der Stadt nur ein bescheidener Landbesitz zugeteilt ist und damit für die Landwirtschaft gar kein Platz war.

Wenn also von Anfang an, wie der Kataster und die Anlage der Stadt zeigen, nicht an eine bäuerliche Siedlung gedacht war, dann musste Sorge getragen werden, Handwerker als Siedler anzuwerben. Es waren dann auch in der Hauptsache deutsche Tuchmacher, die von Schlesien kamen. Sie mögen über Thüringen und Oberlausitzmögen ihrer weiteren Abstammung nach aus den niederdeutschen oder flämischen Gebieten gekommen sein. Die schlesischen Städte waren für sie Zwischenstationen gewesen. Jedenfalls hat der Braunauer Stadtdialekt Besonderheiten, die im Dialekt der Dörfer nicht vorkommen.

1253 Im böhmischen Raum östlich des Riesengebirges Gründung von Braunau durch Abt Martin l., Brevnov, als Marktdorf (villa forensis)
1256 Erstmalig wird Braunau als Stadt genannt: "oppidum forense", das ist eine Art "Marktstadt" oder Kolonistenstadt
1348 Kaiser Karl IV. erhebt Braunau zur Stadt (Stadtprivileg nach Magdeburger Recht).
1359 Die Bürger bauen Stadtmauern.
1420 Ausbruch der Hussitenkriege. Belagerung der Stadt und Plünderungen im Ländchen.
1477 Der "Beifriede von Braunau" zwischen Wladislaw v. Böhmen und den schlesischen Fürsten.
1618-1648 30-jähriger Krieg: Mitursache war die 1618 beabsichtigte Schließung der protestantischen Wenzels-Kirche am Niedertor, die aber erst 1621 nach der Schlacht am Weißen Berg gelang.
1622 Kriegsleiden durch schwedische und wallensteinsche Truppen.
1634 Die Pest wütet in Braunau.
1680 Bauernaufstände
1700-1738 Kilian Ignaz Dientzenhofer baut unter Abt Othmar Zinke: Stiftskirche, Pfarrkirche Braunau, Kloster. Die Benediktiner geben zahlreiche barocke Bauwerke in Auftrag (Dorfkirchen). Braunau ist kultureller Mittelpunkt Ostböhmens.
1756-1763 Kriegsleiden im 7-jährigen Krieg. Die Stadt liegt in Asche. Die Kriegssteuern, Plünderungen und Geiselnahmen sorgen für Angst und Schrecken.
1766 Kaiser Josef II. im Braunauer Gebiet
1780-1900 Scharfe nationale Gegensätze zwischen Deutschen und Tschechen
1782 Aufhebung der Leibeigenschaft, Erleichterung der Robotverpflichtungen
1790 Goethe in Braunau und den Wekelsdorfer und Adersbach Felsen
1849 Abschaffung der Erbherrschaft (Patrinonialgerichtsbarkeit), Neuordnung der Verwaltung
1866 Durchzug der preußischen Armee Konprinz Friedrichs von Preußen, Preußisch-österreichischer Bruderkrieg
1873-1875 Erfolgt der Bau der Eisenbahn Chotzen-Halbstadt-Braunau
1878 Tuchmacherzunft löst sich auf. An die Stelle der Tuchmacherei treten industrielle Betriebe (Firma Schroll usw.)
1907-1908 Bau der Bahnlinie Wekelsdorf - Trautenau
1918 Im Oktober besetzen tschechische Legionäre die Stadt. Im November sind es tschechische Truppen. Proklamation der tschechoslowakischen Republik
1921 Bundesfest des Bundes der Deutschen in Böhmen
1938 Am 10. Oktober sind deutsche Truppen in Braunau, Anschluss an das Großdeutsche Reich
1945 Übernahme der Stadt durch die tschechische Verwaltung, Vertreibung der Deutschen

In der Stadt Braunau sind keine Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg.

Als Folge der Vertreibung und des Terrors 1945 hat Braunau 83 Todesopfer zu beklagen.

Name der Stadt Braunau

In den Urkunden des 13. Jahrhunderts treffen wir die Namen Brunov und Brumov.
In einer Urkunde des Jahres 1376 wird die Stadt Brunovia genannt, was nichts anderes als die Latinisierung des Namens Brunov ist. Eine Ausnahme bildet wohl die päpstliche Urkunde von 1296. Dort steht der Ausdruck Braunov.

Nach 1300 wird dann gern von einer provincia Braunensis gesprochen. Damit ist das Braunauer Ländchen gemeint. Es gibt verschiedene Deutungen für den Namen:

  • Abgeleitet von der braunen Au (braune Farbe des Bodens des Rotliegenden). Diese Ableitung gilt als widerlegt (Rotliegendes).
  • Andere glauben in dem Wort Broumov eine Verbindung zu Brevnov, der Mutterabtei, zu sehen. Dagegen spricht der völlig fremde Wortstamm: Brev.
  • Er sei vom Personennamen Brum oder Brun abgeleitet. Ein Brun könnte der erste Vogt der neuen Stadtgründung gewesen sein. Dies gilt als die wahrscheinlichste Deutung.
Eine Erklärung des Namens aus dem Tschechischen ist nicht möglich.

Das Meteoreisen von Braunau

Eines der bedeutendsten Ereignisse auf dem Gebiet der Meteoritenforschung war der Fall des Eisens von Braunau am 14. Juli 1847 um 3.45 Uhr. Der Verlauf des Geschehens konnte durch glaubwürdige Zeugen wahrgenommen und protokolliert werden.

Es fielen etwa zur gleichen Zeit am frühen Morgen des 14. Juli 1847 zwei Stücke. Das größere hatte ein Gewicht von 23,628 kg und fiel in einen Feldrain bei Hauptmannsdorf. Das andere hatte ein Gewicht von 17,082 kg und fiel in ein Haus der dem Stift Braunau gehörigen Ziegelei.

Beide Meteoriten fand man bald nach dem Fall. Die Schmelzrinde mit den charakteristischen "Braunauer Linien" waren vollkommen erhalten. Da auch die mikroskopische und die chemische Untersuchung einen im Vergleich zu den bis dahin bekannten Meteoreisen verschiedenen Bau erkennen ließ, war das Interesse der Wissenschaft groß.












Stadtwappen und Stadtfarben

Das Wappen der Stadt zeigt einen weißen Schwan auf blauem Grunde und einen goldenen Stern rechts über dem Schwan. Die Geschichte des Wappens können wir auf den Siegeln alter Urkunden, beginnend mit dem Jahre 1331, ablesen.

Über die Entstehung des Wappens weiß die Sage zu berichten, dass die ersten ins Land gerufenen Siedler vom Sterngebirge in der Abenddämmerung ihre zukünftige Heimat und in ihr auf den blauen Fluten eines Teiches einen weißen Schwan gesehen hätten, über dem der Abendstern glänzte. Die Stadtfarben sind weiß und blau.



























































Die sogenannten 'Widmannstättenschen Figuren' auf einem der Braunauer Meteoreisen, die durch Ätzen einer polierten Teilfläche erschienen.


Das 17,082 kg schwere Meteoreisen

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