Braunau - Broumov


  1. Geschichte
  2. Lage
  3. Bevölkerung
  4. Braunau als Verwaltungszentrum
  5. Braunau als Mittelpunkt der kirchlichen Verwaltung
  6. Kulturelle Einrichtungen
  7. Gemeinnützige- und Wohlfahrtseinrichtungen
  8. Kunst- und Kulturdenkmäler
  9. Braunau - wirtschaftliches Zentrum



2. Lage

Allgemein

Die Stadt Braunau war der geographische und geschichtliche Mittelpunkt des Gerichts- und politischen Bezirkes und von 1938 bis 1945 des Landkreises Braunau. Sie war auch das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Landschaft. Die geographische Länge östlich v. Gr. beträgt etwa 16, 19', die nördliche Breite 50, 36'. Die mittlere Seehöhe kann mit etwa 410m angegeben werden. Die "Stadt" selbst, der Stadtkern, liegt am rechten Ufer des Steineflusses und am linken Ufer des Voigtsbaches auf einer sich zwischen diesen beiden Wasserläufen von Norden nach Süden hinziehenden Anhöhe aus Sonnenstein (Feldspat), die sich nach Süden verflacht.

Die Vorstädte, die "Sande", liegen im Steinetal, der Stadtteil "Ölberg", etwas getrennt von den Sänden, grenzte an Hermsdorf. Nach dem ersten Weltkriege entstanden mehrere Stadtrandsiedlungen, so die "Stumpfkolonie" nördlich vom Stadtkern an der Trautenauer Straße, die "Neue Heimat", auch "Hubert-H.-Birke-Siedlung" genannt (1939/40), an der Straße nach Weckersdorf und die "Siedlung am Schafferberg" an der Straße zur "Krims" (Weckersdorf).

Die Stadt hatte ein Flächenausmaß von 323 ha. Im Jahre 1934 gab es 729 Häuser, die von 2069 Wohnparteien mit 7213 Menschen bewohnt wurden. Braunau grenzt im 0sten an Großdorf, im Süden und Südwesten an Weckersdorf, im Westen und Norden an Hauptmannsdorf und im Nordwesten an Hermsdorf.

Verkehrslage und Verkehrsmittel.

Die Stadt Braunau besaß zu allen Dörfern des politischen Bezirkes und auch zu dem benachbarten Preußisch-Schlesien günstige Verbindungen. Im wesentlichen sind folgende Straßen zu nennen:
  1. die 1885 erbaute "Schweidnitzer Straße" (mundartlich "Schwenzer Stroße") führte über Ölberg, Straßenau, Johannesberg nach dem schlesischen Schweidnitz, zu dem in alter Zeit enge wirtschaftliche Beziehungen bestanden,
  2. die Straße von Braunau über Hauptmannsdorf, Halbstadt nach Friedland,
  3. von Braunau über Hutberg nach Politz mit den Abzweigungen nach Dittersbach, Wekelsdorf, Adersbach und weiter nach Trautenau und
  4. von Braunau über Ottendorf zur Landesgrenze.
Weitere Verbindungen bestanden von Braunau nach Schönau, seit 1877/81, von der Stadt über die Krims nach Märzdorf und Barzdorf bis zur Landesgrenze, von Ölberg nach Hermsdorf. Im Jahr 1882 wurde die Straße von Ölberg über Heinzendorf und Dittersbach, 1884 weiter nach Ruppersdorf gebaut. Die zunächst von Josef Edlem von Schroll auf eigene Kosten erbaute Straße vom Obersand nach Ölberg übernahm 1886 die Braunauer Bezirksvertretung. Ende des 19. Jahrhunderts kam noch die Straße vom Friedhof nach Weckersdorf hinzu.

Schon im Jahre 1805 bestand in Braunau eine Briefsammelstelle. Von dieser Stelle wurden die Briefe durch einen Boten, später durch die Postkutsche nach Náchod befördert und von da an ihren Bestimmungsort weitergeleitet. Die Postämter Braunau, Wekelsdorf und Politz wurden im Jahre 1844 errichtet.

Seit dem 1.1.1869 gab es eine Postverbindung von Wekelsdorf nach Trautenau. Das anfangs auf privater Grundlage betriebene Postamt wurde 1892 vom Staate übernommen.
Die Eisenbahnstrecke Chotzen-Halbstadt-Braunau (105 km) wurde in den Jahren 1873 bis 1875 gebaut. Die Ankunft des ersten Zuges in Braunau am 25. Juli 1875 gab Anlass zu einer Feier mit Ehrengästen und Funktionären im Schießhaus.

Die Strecke Braunau-Mittelsteine wurde am 5. April 1888 und die von Wekelsdorf nach Trautenau, deren Bau erst nach langen Verhandlungen zustande kam, am 24. September 1908 eröffnet. Von Halbstadt unterhielt die Deutsche Reichsbahn eine elektrisch betriebene Verbindung nach Fellhammer-Breslau. Eine Zugverbindung bestand auch nach Mittelsteine-Glatz.

Die Telegrafenleitung über Politz, Náchod nach Josefstadt wurde schon 1867 hergestellt. Eine Telefonverbindung nach Trautenau gibt es seit 1903. Die ersten Privatautos besaßen die Braunauer erst 1911.



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3. Bevölkerung

Einwohnerzahlen nach den Ergebnissen der amtlichen Volkszählungen:

Jahr Deutsche Tschechen Andere Gesamt
1885 5.276 405 149 5.830
1900 7.218 130 261 7.609
1913 7.518 259 248 8.025
1920 5.674 867 277 6.818
1930 6.818 1.115 225 7.356
1939       6.383
1961       5.603


Bedeutende Söhne der Stadt

Geistliche
Johann Baptist Lachenbauer (1741-1799), ein Kreuzherr, 1786 zum Bischof in Brünn ernannt.

Dr. Johannes Nepomuk Rotter (1807-1886), Professor der Dogmatik an den Universitäten Graz und Prag, Rektor in Prag, seit 1844 Abt von Braunau, Mitglied des österreichischen Herrenhauses.

Thomas Sartorius (Schneider) (1630-1700), bedeutender Abt von Brevnov-Braunau, Förderer der Künste und Wissenschaften.

Hohe Staatsbeamte
August Ritter von Kral (1869-1953), Gesandter und bevollmächtigter Minister Österreichs In der Türkei und in Persien.

Ludwig Ritter von Scheuer (1830-1909), Obergerichtspräsident für Bosnien und Herzegowina in Sarajewo.

Dr. Franz Sandmann (1863-1938), 1925 Vize-Präsident des Oberlandesgerichts in Prag, Politiker.

Dr. Karl Eppinger (1853-1911), Landesausschuss-Beisitzer, Führer der deutsch fortschrittlichen Partei in Böhmen, Herrenhausmitglied.

Friedrich Legier (1852-1919), Landtagsabgeordneter, Mitglied des Landesschulrates In Prag, Schriftleiter der "Freien Schulzeitung".

Julius Lippen (1839-1909), Politiker (Oberster Landmarschallstellvertreter), bedeutender Kulturhistoriker



4. Braunau als Verwaltungszentrum

Vor 1848 kann von Braunau als einem Verwaltungszentrum nicht gesprochen werden, da die Stadt der Patrimonialherrschaft des Benediktinerstiftes unterstand. In diesem Jahre trat eine wichtige und entscheidende Änderung ein. Der Grundherr hörte auf, seine Macht über seine Untertanen auszuüben.

Das bedeutete eine Neuordnung der gemeindlichen und staatlichen Verwaltung. In den Jahren 1849/50 erfolgte eine Reorganisation der Kreise und die Errichtung von Bezirkshauptmannschaften und Bezirksgerichten. In Böhmen gab es zunächst 7 Kreise, davon in Ostböhmen Jitschin und Pardubitz. Zu Jitschin gehörten 16 Bezirkshauptmannschaften, darunter auch die von Braunau. 1855 wurde Ostböhmen in drei Kreise neu gegliedert (Tschaslau, Chrudim und Königgrätz) und die Bezirkshauptmannschaft Braunau dem Königgrätzer Kreis zugeschlagen.

1868 erhielten die Bezirkshauptmannschaften den Charakter einer entscheidenden politischen Instanz. Der Bezirkshauptmann von Königgrätz führte im übertragenen Wirkungsbereich der Prager Statthalterei die Aufsicht über die übrigen Bezirkshauptmannschaften. Die Bezirkshauptmannschaft Braunau, die am 1.2.1850 ihre Tätigkeit aufnahm, umfasste damals die Bezirksgerichtssprengel Braunau und Politz mit 59 Gemeinden und 46.132 Einwohnern. Im Jahr 1894 wird der Gerichtsbezirk Wekelsdorf errichtet.

Das Braunauer Bezirksgericht begann seine Tätigkeit am 1.7.1850. Am 31.1.1949 wurde es aufgehoben.

In die Mitte des 19. Jahrhunderts fällt auch die Neuorganisierung der Gemeindevertretung und -verwaltung im Königreiche Böhmen, die im wesentlichen bis 1938 erhalten blieb.

1938 werden nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland und Einrichtung des Landratsamtes 19 tschechische Gemeinden abgetrennt und der Bezirksverwaltung Náchod angegliedert. Im Mai 1945 geht die Verwaltung an den "Okresni narodní vybor", den "Bezirksnationalausschuss" über. Derzeit gehört das Gebiet zum Náchoder Bezirk.

Im Jahre 1938 befanden sich in Braunau folgende staatliche, bei der Bezirksbehörde eingerichtete Fachorgane: ein Bezirksarzt und ein Tierarzt, es gab je einen Bezirksschulausschuss mit je einem Bezirksschulinspektor (Schulrat) für den deutschen und den tschechischen Schulbezirk.

Das Trautenauer Eichamt unterhielt in Braunau eine Expositur. Neben dem Bezirksgendarmeriekommando bestand ein Gendarmerieposten. Das Bezirksgericht Braunau war zuständig für das Gebiet östlich des Sterngebirges (Braunauer Ländchen) und Hutberg. Die Steuern schrieb die Steueradministration vor, während das Steueramt für die Zahlung, notfalls für die Beitreibung zuständig war. Als gerichtliches Depositenamt war dem Steueramt die Waisenkasse der Gerichtsbezirke Braunau und Wekelsdorf angegliedert. Die Katasterverwaltung besorgte die Evidenzhaltung des Grundsteuerkatasters.

Für die Gefälle war das Gefällskontrollamt eingerichtet, öffentliche Beurkundungen oblagen den Notaren. Für den Verkehr hatten die Post- und Telegrafenämter in Braunau und in Braunau-Ölberg und das Bahnbetriebsamt der tschechoslowakischen Staatsbahn, das sich auf Großdorfer Grund befand, zu sorgen. Seit etwa 1935 war die Polizei verstaatlicht. Seit dieser Zeit gab es für den ganzen Bezirk Braunau auch eine politische Polizei.

Neben diesen staatlichen Ämtern bestand eine autonome Bezirksvertretung für den Gerichtsbezirk Braunau, die aus Wahlen der Bevölkerung hervorging. Sie vertrat den Bezirk in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten, insbesondere oblag ihr die Errichtung und Instandhaltung der Straßen, soweit es sich nicht um Gemeindekommunikationen handelte. Sie war zuständig für das Krankenhauswesen und als Aufsichtskörperschaft in Angelegenheiten der öffentlichen Armenfürsorge und Wohlfahrtspflege.

Im Jahre 1927 wurde die Bezirksvertretung umgestaltet, indem sie für alle drei Gerichtsbezirke (Braunau, Wekelsdorf und Politz) zuständig wurde. Der jeweilige Bezirkshauptmann war kraft Gesetzes Vorsitzender der Körperschaft, die damit einen wesentlichen Teil ihrer Autonomie einbüßte. Die Bezirksvertretung zählte 24 Mitglieder, davon waren zwei Drittel gewählt und ein Drittel ernannt. Sie wählte einen acht-gliedrigen Bezirksausschuss, der die laufenden Geschäfte erledigte und die Sitzungen der Bezirksvertretung vorbereitete.



5. Braunau als Mittelpunkt der
    kirchlichen Verwaltung

Die Braunauer Stadtpfarrkirche, zur Dekanalkirche im Jahre 1912 erhoben, gehörte zum Vikariat Braunau in der Diözese Königgrätz. Das Vikariat betreute alle Kirchen in den Gerichtsbezirken Braunau und Wekelsdorf, aber auch die Pfarrkirche Qualisch. Nach der Stadt waren auch die Gemeinden Großdorf, Rosental, Hauptmannsdorf und Weckersdorf eingepfarrt. In der Pfarrei Braunau wurden die Tauf-, Heirats- und Sterbematrikeln für die Katholiken geführt.

Der Grundstein zur evangelischen Kirche wurde im Jahre 1902 gelegt, eingeweiht wurde sie am 8. 9.1903. Sie gehörte zur Gemeinde Großdorf.
Die Baptisten hielten ihre Gottesdienste zunächst im Hause Obersand Nr. 26 ab, seit dem 28. Oktober 1923 in ihrer "Elimkirche" am Mittelsand Nr. 84 (Graben).

























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