Braunau - Broumov


  1. Geschichte
  2. Lage
  3. Bevölkerung
  4. Braunau als Verwaltungszentrum
  5. Braunau als Mittelpunkt der kirchlichen Verwaltung
  6. Kulturelle Einrichtungen
  7. Gemeinnützige- und Wohlfahrtseinrichtungen
  8. Kunst- und Kulturdenkmäler
  9. Braunau - wirtschaftliches Zentrum



6. Kulturelle Einrichtungen

Die Braunauer Schulen

Schon in den ältesten Zeiten gab es in der Stadt neben einer niederen oder Pfarrschule (in der Nähe der Pfarrkirche) eine höhere Stiftsschule, die im Kloster untergebracht war.
Seit 1258 bestand in Braunau eine Schule. Dem Pfarrer, der sie leitete, stand ein Kantor zur Seite. In der Reformationszeit gab es eine katholische und eine protestantische Schule. Nach der neuen Schulordnung vom Jahre 1774 sollten nur geprüfte Lehrer unterrichten. Im Jahre 1785 wurde die Stadtschule dreiklassig. Die öffentlichen Prüfungen fanden im Rathause statt. Im Jahr 1835 wurde die Stadtschule zur vierklassigen Hauptschule erhoben, 1865 trennte man die Schule in eine Knaben- und Mädchenschule und 1873 wurde die Knaben-, 1877 die Mädchenbürgerschule eröffnet.

Bibiliotheken

In der Stadt Braunau gab es zwei wissenschaftliche Bibliotheken: die Stiftsbibliothek (aus der Abts- und der Konventsbibliothek bestehend) im Klostergebäude. Um 1900 begründete Dr. Eduard Langer eine Privatbibliothek. Sie war im Wohnhaus des Besitzers, seit Anfang der dreißiger Jahre im sogenannten "Johanneshof" untergebracht. Neben den wissenschaftlichen Büchereien gab es als Volksbildungseinrichtung eine Stadtbücherei (in Räumen des Bürgermeisteramtes untergebracht). Nach 1918 war für die tschechische Minderheit eine Bücherei geschaffen worden.

Wertvolles Archivgut zur Geschichte der Stadt und der Zünfte war im Stadtarchiv verwahrt, das im Bürgermeisteramte untergebracht war. Auch das Archiv des Klosters, das durch wiederholte Brände gelitten hatte, enthielt bedeutsame Archivalien, vor allem zur Wirtschaftsgeschichte (Urbare). Hervorzuheben wäre auch die Sammlung von Archivalien, die Dr. Eduard Langer erworben hatte, darunter wertvolle Dokumente zur Geschichte der Zünfte.

Musikpflege

Das Musikleben Braunaus kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Zu den ältesten Vereinen der Stadt gehörte der "Gesang- und Musikverein Orpheus" (1865), dem später ein Frauensingverein angegliedert wurde. Den Gesang pflegten weiter der Gesangverein "Frohsinn" und Gesangsriegen verschiedener Vereine. Die Kammermusikvereinigung (gegr. 1922 unter Dr. Heinrich Schlögl) bot hervorragende Solisten- und Instrumentalkonzerte heimischer und auswärtiger Künstler.

Geistliche Musik pflegten die Chöre der Pfarrkirche und der Klosterkirche. Ein besonderes Erlebnis boten die vom "Quickborn" (katholische Jugendbewegung) veranstalteten Konzerte barocker Musik im inneren Klosterhof.

Theater und Kino

Das 1806 errichtete Braunauer Stadttheater zählt zu den ältesten Böhmens. Der Initiator des Baues, Dr. med. Franz Seraphin Kneisler, ein gebürtiger Prager, war auch der erste Direktor des Theaters. Am 12.6.1998 ist im inneren Eingangsbereich des Theaters eine Gedenktafel an den Initiator Dr. Kneisler angebracht worden.

Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde es in den Wintermonaten von Wanderbühnen bespielt, aber auch verschiedene Vereine, wie der Gesangsverein "Frohsinn", benutzten das Theater für ihre Aufführungen. Besonders rege war auf diesem Gebiet die Kammermusikvereinigung. Bevor das Kino im Jahre 1921 in ein eigenes Lichtspielhaus am Ringplatz einziehen konnte, wurden Kinovorstellungen zunächst im Theater und später in der Turnhalle des Braunauer Turnvereines gegeben.

Zeitungen

Seit 1901 erschienen die "Braunauer Deutsche Zeitung" und die "Braunauer Nachrichten". Am 7. 3.1919 übernahm Hubert H. Birke die Schriftleitung der "Braunauer Deutschen Zeitung" unter dem Namen "Braunauer Bote", später "Deutscher Bote". Als Organ des Bundes der Landwirte erschien erstmals am 23. 2. 1922 die Zeitung "Scholle" (Schriftleiter Hugo Scholz) Im Jahr 1938 wurden die beiden Zeitungen unter dem Namen "Deutscher Bote" vereinigt. Schriftleiter war Hugo Scholz.

Vereinsleben

Die zahlreichen Vereine sind ein Beweis für das rege religiöse, karitative, kulturelle und sportliche Leben in Braunau. 1934 gab es insgesamt 62 Vereine mit sehr unterschiedlichen Zielsetzungen.


7. Gemeinnützige und Wohlfahrtseinrichtungen

Kanalisation

Wahrscheinlich wegen der für eine Kanalisation günstigen Gestaltung des Terrains gab es in Braunau schon in alten Zeiten Abzugskanäle, so die "Abzucht" bei der Pfortenstiege, beim Niedertor, hinter dem Pfarrgarten und unter der Walkmühle. Die später geschaffene Abwasseranlage entsprach dem Stande der seinerzeitigen Technik.

Wasserleitung

Auch der Wasserversorgung wird schon in früher Zeit erwähnt. Im Jahr 1536 schenkte Abt Jakob I. der Stadt einen Platz unter dem "Schlosse" zur Anlegung einer Wasserleitung nebst Grund für die Röhrenleitung. Im Jahre 1706 ließ Abt Otmar eine Wasserleitung vom "Stern" nach Braunau legen, zu der von Caspar Ermer 1.140 hölzerne Röhren verwendet wurden. Abt Otmar hatte schon 1704 eine Wasserleitung aus dem Mühlgraben in das Stiftsvorwerk bauen lassen. Die Stadt errichtete unter Bürgermeister Carl Schön 1880 eine eiserne Wasserleitung von der "Jägerquelle" am Stern in einer Länge von rund 8 km. Sie lieferte auch das Wasser für die Springbrunnen am Ring- und Florianusplatze; 1903 kam eine neue Wasserleitung mit einem Hochbehälter im Norden der Stadt hinzu.

Badeanstalten

Schon im Mittelalter gab es Badstuben. Die älteste im Jahr 1407 erwähnte Badestube war in der späteren Grabenschenke, eine zweite unweit des Meierhofes . Badeplätze waren in alten Zeiten in der großen und kleinen "Drehe" der Steine (auf dem Wege nach Märzdorf) und in der "Pfeiferplumpe" bei der Mittelmühle, oberhalb des Steges. 1874 gab es eine Schwimmschule am Obersand. In späteren Jahren schuf die Stadt eine städtische Schwimmschule im Westen des Ortes, die von Bademeistern betreut wurde. Aber auch der Ziegelteich an der Weckersdorfer Straße und besonders der schön gelegene Schlegelteich am Fuße des Sterngebirges in Weckersdorf waren beliebte Badeplätze der Braunauer.

Armen-, Kranken- und Siechenhäuser

Als ältestes Armeninstitut kann wohl die "Pfründleranstalt" angesehen werden, die 1735 geschaffen und an die "Heilig-Geist-Kirche" angegliedert war. Der Armenfonds wurde im Jahre 1789 ins Leben gerufen. Ihm floss ein Teil der Einnahmen aus dem Theater stiftungsgemäß zu. Das Armenhaus am Obersande Nr. 76 wurde 1892 durch Josef Edlen von Schroll erbaut. Das Haus, das 27 Wohnungen enthielt, ging in den Besitz der Stadt über, die den Bewohnern auch Kleidung und eine Monatshilfe gewährte.

Das Bezirkskrankenhaus wurde am 24.6.1896 eröffnet. Um diese Errichtung hatte sich der Obmann der Bezirksvertretung Dr. Heinrich Eppinger besonders verdient gemacht.
Die Pflege der Kranken besorgten Barmherzige Schwestern. Letzter Primararzt war Dr. Ernst Nowotny, der sich eines guten Rufes als Chirurg erfreute.

Für den Bau eines Siechenhauses hatte sich seit 1906 die Mühlenbesitzerin Maria Winter aus Hermsdorf eingesetzt und Mittel für diesen Zweck gesammelt. Der im Jahre 1912 begonnene Bau konnte erst am 14.10.1920 als Bezirkssiechenhaus seinem Zweck zugeführt werden.

Straßenbeleuchtung

Erstmals im Dezember 1864 gab es eine Straßenbeleuchtung in Braunau. Sie bestand allerdings nur aus 15 Petroleumlampen am Ring, am Florianusplatz und in den Ober- und Niedergassen; sie leuchteten zunächst nur an Sonn- und Feiertagen. Die elektrische Beleuchtung wurde im Jahre 1904 geschaffen; den Strom hierfür und für die Haushaltungen lieferte das in diesem Jahre zwischen Mühlgraben und Steine erbaute Elektrizitätswerk. Es wurde 1914 an die "Österreichische Elektrizitätslieferung-AG" verkauft; seitdem bezog die Stadt ihren Strom von Parschnitz bei Trautenau.

Das städtische Schlachthaus wurde 1880 gebaut.


8. Kunst- und Kulturdenkmäler

Kirchliche und religiöse Baudenkmäler

An erster Stelle ist der großartige Bau des Benediktinerklosters zu nennen. Die früher als Burg angelegte Anlage wurde nach 1306 als befestigtes Kloster gebaut. Unter Abt Otmar Zinke (1700 - 1738) wurde die mächtige Anlage nach den Plänen der Architekten Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofers geschaffen (1709 - 1737).

Eng verbunden mit dem mächtigen Bauwerk ist die unter Abt Thomas Sartorius (1663-1700) in den Jahren 1683-1694 vom Baumeister Martin Allio errichtete, dem heiligen Adalbert geweihte Klosterkirche.

Zu den ältesten Kirchen zählt die spätgotische Holzkirche "Zu Unserer Lieben Frau unter den Linden" am Friedhof. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut und nach dem Jahr 1450 wieder aufgebaut. Sie ist eine der ältesten Holzkirchen in Mitteleuropa und ein Ständerbau mit ganz besonderem Charakter.
Die Originaltafel im Umgang der Friedhofskirche, die wichtige Ereignisse aus früheren Jahrhunderten auflisten, sind am 19.05.2000 und 14.09.2001 durch künstlerisch gestaltete Kopien ersetzt worden.

Die Dekanalkirche ist den hl. Aposteln Petrus und Paulus geweiht und stammt aus dem Jahr 1258. Im 14. Jahrhundert wurde sie aus Stein gebaut. Das jetzige Kirchengebäude ist aus dem Jahr 1682.

Den Geist Kilian Ignaz Dientzenhofers zeigt auch die 1729 erbaute St.-Wenzels-Kirche, die einen Bau aus dem Jahre 1610 ersetzte.

Die Spitalkirche Hl. Geist stammt aus dem Jahr 1689 und wurde 1735 umgebaut.

Hervorzuheben ist die barocke Mariensäule in der Mitte des Ringplatzes. Sie ließ Abt Othmar Zinke 1706 errichten.

Jüngeren Datums ist die schlichte Statue des hl. Florian auf dem Florianusplatz.

Zur Erinnerung an das Pestjahr 1582 wurden in Braunau drei Säulen errichtet, unter dem Namen "Das Auge Gottes" bekannt. Sie waren an den Ecken eines Dreiecks aufgestellt. Die Stadt bildete gleichsam das Auge. Eine Säule, "Politzer Kapelle" genannt, stand beim Nowotny-Garten im Westen der Stadt, die zweite beim Obertor im Park des Bürgermeisteramtes, die dritte, die "Armensäule" im Osten der Stadt, fand zuletzt ihren Platz auf dem Bauerngut Rosenberg in Großdorf.





Weltliche Bauten und Denkmäler

Die Bürger beginnen 1357 mit dem Bau der Stadtmauer.

Von der Schönheit der den Ringplatz umgebenden Bürgerhäuser können wir uns infolge der Veränderungen, die etwa seit 1890 vor sich gegangen sind, nur noch ein Bild aus alten Zeichnungen machen.

Als Beispiel für Bürgerhäuser sei das Schrollsche Haus aus den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts und der "Bittnerhof" an der Trautenauer Straße (Nr. 232) erwähnt. Der Name "Palais" für die Bauten Kriesche (späteres Bürgermeisteramt) und Langer (Landratsamt) bezeichnet treffend die Baugesinnung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Moderneren Vorstellungen entsprechen die Villen, die sich Industrielle (die Brüder Nowotny) in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut haben.

Das alte Rathaus am Ringplatz war im 13. Jahrhundert das Richterhaus und diente ab 1419 als Rathaus. Umgebaut wurde es zuletzt im Jahr 1838. Das heutige Rathaus baute der Fabrikant Josef Schroll etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Empire-Stil.

Weltliche Denkmäler hatte Braunau nur wenige aufzuweisen. Das von den Dorfgemeinden Im Jahre 1881 beim Obertor errichtete Standbild des Bauernkaisers Josef II. musste auf Geheiß der tschechischen Verwaltung entfernt werden. Der Sockel erhielt 1925 ein Rundrelief des Bauernbefreiers Hans Kudlich.

"Auf der Allee" setzte der Braunauer Turngau dem Turnvater Jahn im Jahre 1905 ein Denkmal. Um einen gewaltigen Sandsteinblock mit einem Reliefbild Jahns waren kleinere Blöcke gelagert, die auf Bronzetafeln die Namen der einzelnen Gauvereine trugen.

Zur Erinnerung an die Gefallenen des Krieges 1866 errichtete der Braunauer Militärveteranenverein 1867 am Friedhofe ein Denkmal, dem im Jahre 1905 zu beiden Seiten des Monuments zwei Sandsteinblöcke mit Marmortafeln beigefügt wurden, auf denen die Namen der 1866 hier begrabenen Kriegsteilnehmer eingraviert waren.

Am 16.9. 1934 wurde von Abt Dr. Dominik Prokop ein Kriegerdenkmal beim Friedhofe für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aus Braunau und den eingepfarrten Gemeinden eingeweiht. Es bestand aus einem mächtigen Sandsteinblock mit der Inschrift "Heimatdank 1914 -1918". Kleinere Steine trugen die Namen der einzelnen Gemeinden. Das Denkmal ist nach der Revitalisierung am 26.10.1996 wieder eingeweiht und von der Stadt Braunau zur Pflege übernommen worden.

Park- und Gartenanlagen

Die älteste Grünanlage der Stadt ist die "Allee". Sie nahm den Westhang der Stadt von der früheren Stadtmauer bis zum Voigtsbach ein. Ihren Namen hat sie von den drei Reihen Kastanienbäumen, die zwei Promenaden begrenzten.

Das Kloster besaß einen etwa 1710 angelegten ausgedehnten Park, den "Klostergarten". Er wies einen schönen Baumbestand auf. Im September 2002 ist der revitalisierte Klostergarten der Öffentlichkeit übergeben worden.

Sporteinrichtungen

Dem Schießsport dienten seit alten Zeiten die Anlagen beim Schießhaus des Schützenvereines im Stadtgraben. Der Braunauer Turnverein hatte im Jahre 1885 am Obertor eine Turnhalle erbaut.
Dem Arbeiterturnverein und dem tschechischen Turnverein "Sokol" dienten Gasthaussäle als Übungsräume.

Braunau als Fremdenverkehrsort

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt und vor allem die Schönheit des Klosters und seiner Kirchen zogen von Jahr zu Jahr mehr Besucher an, besonders aus dem benachbarten Schlesien. Braunau war als Ausgangspunkt für Wanderungen ins Stern- und Heidelgebirge und auf die Heuscheuer beliebt. Die Zahl der Übernachtungen in den Hotels und der Jugendherberge wuchs, war doch von Braunau aus das Felsengebiet von Adersbach und Wekelsdorf mit Zug und Auto leicht zu erreichen.



Ehrenmal an der Mauer der Friedhofskirche




































































































































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