Ruppersdorf - Ruprechtice


Geschichte

Es gibt keine Gründungsurkunde. In privaten Aufzeichnungen vom 5. Oktober 1255 nämlich auf dem Deckel der Handschrift "Cantica canticorum" wird es als nördliche Grenze des Klosterlandes genannt. Es muss also schon vorher gegründet worden sein. In dem Codex juris Boemicae wird es 1355 Ruperti villa erwähnt. Bei den Ernennung von Pfarrern durch den Abt von Brevnov kommt der Ort vor. So wird gesagt, dass im Jahre 1361 der Pfarrer von Ruperti villa nach Hermsdorf versetzt wird. Im Stadtbuch von Braunau steht Ruprechtsdorff.
Die Bezeichnung leitet sich vermutlich vom Namen des Lokators oder des ersten Scholzen her (Rupert).
Die erste Kirche stammte aus dem Jahre 1256 und war aus Holz. Der Grundstein zur heutigen Pfarrkirche wurde 1721 gelegt. Sie wurde 1723 von Abt Otmar Zinke eingeweiht und ist dem hl. Jakobus geweiht. Charakteristisch für Ruppersdorf ist der abseits der Kirche stehende steinerne Glockenturm. Zur Pfarre gehören Dittersbach und Heinzendorf.
Die vier Glocken aus den Jahren 1604, 1663, 1665 und 1678 mussten 1916 abgenommen werden. 1921 wurde eine von Oktav Winter, Braunau, gegossene Glocke neu montiert. Die Orgel wurde von Wenzel Kunz aus Josefstadt 1844 gebaut.
Ursprünglich stand das Schulhaus in der Nähe der Kirche und wurde von den Kindern aus den Dörfern Ruppersdorf, Heinzendorf und des nahegelegenen Teils von Dittersbach besucht. 1872 wurde dann in der Mitte des Dorfes ein neues Schulhaus errichtet. Der Umbau der Schule im Jahre 1908 veranlasste den Gemeindeteil Grenzdörfel, sich wegen der dadurch aufkommenden größeren Gemeindeumlagen nach Wiesen eingemeinden zu lassen.

Als Folge der Vertreibung und des Terrors 1945 hat Ruppersdorf 25 Todesopfer zu beklagen.

Lage

Rund 9 km in nordnordwestlicher Richtung von Braunau entfernt, am linken Ufer der Steine und zu beiden Seiten eines kleinen Dorfbaches, teils im Tale, teils auf Anhöhen, liegt Ruppersdorf, das bis an das Heidelgebirge, heranreicht.
Die Entfernung vom Fuße des "Spitzigen Berges" bis zum Gasthaus "Goldener Latschen" beträgt längs der Dorfstraße etwa 4 km. Die Kulmitz-Fabrik und die anschließenden Bahnhäuser, die zur Gemeinde gehören, liegen etwa 2 km entfernt und grenzen an Halbstadt.
Die Seehöhe beträgt 442 m ü.d.M. Ruppersdorf grenzt im Westen an Grenzdörfel, das zu Wiesen gehört, im Norden an Preußisch Schlesien (heute Polen). Diese Grenze verläuft am Kamm des Heidelgebirges bis zum Spitzberg. Im Osten bilden die "Kohlgründe" von Hermsdorf, im Süden die Dörfer Heinzendorf und Dittersbach und im Südwesten Halbstadt die Grenze.
Die Fruchtbarkeit der Felder, die vorherrschend Lehmboden aufweisen, ist mittelmäßig gut, im Niederdorfe besser als im Oberdorfe. Gegen den Wald und das Gebirge ist der Boden etwas leichter als im Tale, jedoch nicht sandig.
Am unteren Ende des Dorfes befindet sich die Eisenbahn-Haltestelle Ruppersdorf -Dittersbach der Strecke Chotzen - Braunau - Mittelsteine.
Die Dorfstraße führt vom "Goldenen Latschen" weiter nach Dittersbach. Von diesem Gasthaus gelangt man auf der Straße nach je einem km einerseits nach Halbstadt, andererseits nach Heinzendorf.
Das Flächenausmaß betrug Im Jahre 1900 rund 1.297 ha.

Wirtschaft - Bevölkerung

Zu den industriellen Betrieben gehörten die Vereinigten Chamottefabriken A.G., vormals Kulmitz, die bis zur Stillegung im Jahre 1928 Schamotteziegel herstellten, ferner das Bauunternehmen, die Brettsäge und im Dorfe die Rolloweberei Karl Hofmann.
Von den vorkommenden Bodenschätzen ist der Kalkstein zu nennen, der um die Jahrhundertwende noch gewonnen und gebrannt wurde. Der gebrannte Kalk wurde für Bauzwecke verwendet und teilweise nach Waldenburg gefahren. Auf dem Rückwege brachten die Fuhrleute aus der Grube Steinkohle mit, die man zum Brennen des Kalkes benötigte. Auf dem herrschaftlichen Grunde wurde bis zum Jahre 1914 auch Porphyr gebrochen.
Nebenberuflich beschäftigten sich mehrere Bauern mit dem Langholzfahren und eine größere Zahl von Eisenbahnern mit der Landwirtschaft. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch einzelne Handwebereien im Dorfe.

Einwohnerzahlen nach den Ergebnissen der amtlichen Volkszählungen:

Jahr Deutsche Tschechen Andere Gesamt
1885 1.376 79   1.455
1900 1.428 52 15 1.495
1913 1.311 32 27 1.370
1920 1.225 78 16 1.319
1930 1.077 180 14 1.271
1939       1.033
1961       750

Die verhältnismäßig große Anzahl der tschechischen Ortsbewohner beruht darauf, dass die Halbstädter Bahnhäuser mit ihren tschechischen Bewohnern auf Ruppersdorfer Grund standen und auch im Orte selbst drei tschechische Familien wohnten.











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